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Thema: Zu hochgestochene Ausdrucksweise?

  1. #1
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    Standard Zu hochgestochene Ausdrucksweise?

    Mir wurde in der Therapie durch die Blume mitgeteilt, dass ich mich ZU intellektuell ausdrücken würde und dabei meine Authentizität verloren geht. Dennoch rechnet sie mir meine sprachlichen Fähigkeiten hoch an.

    Es stimmt zwar, dass ich gerne mal das ein oder andere Fremdwort hernehme (meist ziemlich geläufige Fremdwörter) und meiner Ausdrucksweise ganz bewusst eine gewisse Qualität verleihen möchte, aber warum hält sie das für unauthentisch?

    Ihr Tipp ist, einfach mal mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und nicht alles bin ins kleinste Detail zu analysieren. Das sind für mich ja grundsätzlich erstmal zwei Paar Schuhe, darum bin ich noch etwas verwirrt über ihre Schlussfolgerung.

    Trotzdem kann ich mir schon in etwa denken worauf sie hinaus möchte. Ich interessiere mich schon seit einem Jahrzehnt für Philosophie und Psychologie und höre mir etliche Vorträge von meist bekannteren Professoren und Doktoren an. Außerdem lese ich auch gerne entsprechende Fachbücher. Mir imponiert die etwas gehobenere Ausdrucksweise einfach. Ich bin jetzt 25 und sehe diese Leidenschaft für Sprache sehr wohl als einen Teil meiner Persönlichkeit an. Darum verstehe ich auch nicht diese Infragestellung meiner Authentizität. Meine Prinzipien und Wertevorstellungen haben sich seit meiner Pubertät kaum geändert, weil ich hinter meiner Meinung stehe und natürlich habe ich mich während meiner Identitätsfindung auch an bestimmten Vorbildern orientiert.

    Nun zu dem Bauchgefühl: Damit hat sie schon nicht unrecht, ich analysiere mich und mein Umfeld wirklich sehr stark. Aber so war das schon seit meiner frühen Kindheit. Ich sehe das eigentlich als Teil meiner Persönlichkeit an. Wenn sie also nun sagt: "Fahr einfach mal runter, drück dich nicht so gehoben aus!", dann kriege ich das Gefühl als müsste ich einen erheblichen Teil meiner Persönlichkeit umkrempeln.

    Auch mein Lehrer hat mir mal nach einem Vortrag gesagt ich würde zu verkopft sein. Und ich verstehe auch ihn, aber wie soll ich das jetzt ändern, so einfach finde ich das gar nicht. Vielleicht will ich es auch nicht, weil ich Angst vor den Konsequenzen habe, wenn ich mich mehr von meiner verwundbaren Seite zeige. < Seht ihr, schon wieder analysiert. Zum Verzagen.

    Wäre dankbar um eine Meinung

  2. #2
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    Vielleicht geht es einerseits darum, ob die Sprache zur Situation und Umgebung passt, also "angemessen" ist - ich denke der Professor wird nicht in der selben Art einen Vortrag halten und z.b. beim Bäcker ein Brötchen bestellen.
    Und andererseits darum spontaner zu reagieren in Situationen. Bei Dir hört sich das so an, als wenn du erstmal analysierst, dann überlegst was die beste Reaktion wäre und dann nach der passenden Wortwahl suchst. Das wirkt eben je nachdem in welcher Situation man ist künstlich.

  3. #3
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    Schon die junge Königin Elisabeth musste ihre etwas snobistische Sprechweise ändern um nicht zu viel Distanz zwischen sich und das Volk zu bringen.

    Jemand der sich zu gewählt ausdrückt, könnte sich hervor heben wollen und arrogant wirken.

    Andererseits ist ein gutes Deutsch durchaus erstrebenswert, nur sollte es nicht zu abgehoben sein.
    Obwohl ich ganz ordentlich englisch spreche, wähle ich oft ganz bewusst deutsche Audrücke, denn es ist schon längst passe´mit z.B. Amerikanismen Eindruck schinden zu wollen.

    Das will ich Dir natürlich nicht unterstellen.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Lakshmi für den sinnvollen Beitrag:

    mops (08.06.2018)

  5. #4
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    Hätte von mir sein können der Thread ...

    Mir geht das auch schon ewig so. Im Kindergarten haben die Erzieherinnen damals meine Mutter gefragt ob ich nebenbei noch in eine Sprachschule oder so gehe, da zu der Zeit meine Ausdrucksweise schon recht gut war. Später wurde mir auch immer wieder vorgeworfen ich sei zu vergeistigt, zu verkopft, zu intellektuell, altklug, bewege mich nur auf der Metaebene usw.
    Meine Therapeutin hat mich auch darauf hingewiesen. Aber da gab es keinen Ratschlag das zu verändern oder so.

    Wie fühlst Du Dich denn selbst damit? Stört Dich das an Dir? Strengt es Dich an so zu sein oder würde es dich eher anstrengen nicht so zu sein?

    Ggf. muss man sich eben einfach Gleichgesinnte suchen. Das ist sehr schwer ... kann ich auch ein Lied von singen ...

    gruß

  6. #5
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    Zitat Zitat von Rinnsalent Beitrag anzeigen
    Vielleicht will ich es auch nicht, weil ich Angst vor den Konsequenzen habe, wenn ich mich mehr von meiner verwundbaren Seite zeige. < Seht ihr, schon wieder analysiert. Zum Verzagen.

    Wäre dankbar um eine Meinung
    Psychotherapie ist nur dann hilfreich, wenn man diese verwundbare Seite in der Psychotherapie zeigen kann und bereit ist sich die Wunden anzuschauen und die dazugehörigen Gefühle zu fühlen.

    Durch dein verkopftes Verhalten verhinderst Du all das.
    Grüße
    Beinwell

    (Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.)

  7. #6
    Bestseller Autor Avatar von Steinchen.im.Schuh
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    Ich vermute, dass es deiner Therapeutin um etwas anderes geht. Therapie wirkt hauptsächlich auf der Gefühlsebene. Befindet man sich selbst dabei in analytischen Sphären, reflektiert sich stark, drückt sich gewählt aus, besteht zu intuitivem, "prä-reflexivem" weniger Zugang.
    Könnte da was dran sein?

    Hier liegt jedenfalls bei mir ein Problem im Kontext Psychotherapie. Ich spreche nicht sonderlich "hochgestochen", bin aber immer zu stark auf der reflexiven Ebene und argumentiere dann mehr als dass ich erzähle, Gefühle zulasse.

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Steinchen.im.Schuh für den sinnvollen Beitrag:

    seelen (09.06.2018)

  9. #7
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    Ich finde allerdings, die Sprache ist erst mal nur Ausdruck der Persönlichkeit und dessen Gedanken, natürlich auch dessen Emotionen. Was davon Kopflastig oder aus dem Bauch kommt, bleibt Information. Ich sehe es genau wie Du, wenn Du so kommunizierst und wenn das deiner Art entspricht und wenn es einfach zu dir passt, bist Du auch autentisch. Auch Kopfmenschen können autentisch sein, ein gewisser Abstand zu den eigenen Emotionen kann durchaus von Vorteil sein, auch wenn es sich in der Ausdrucksweise wiederspiegelt. Allerdings hat man es im Leben (bei Freunden, Schule, Arbeitsplatz usw) nicht unbedingt mit Menschen zu tun, die diese Kommunikation beherrschen oder verstehen... und interpretieren diese Art als überheblich oder arrogant, so schätze ich dich überhaupt nicht ein. Aber damit musst Du rechnen. Ich würde jetzt spontan sagen, lass dich nicht verbiegen und bleib so wie Du bist, manchmal wollen Andere einen auch ein wenig hinbiegen, wie sie ihn haben wollen. Die Therapeutin meint es sicher gut, da ich nicht weiss warum Du zu ihr gehst, etwa weil Du vielleicht gemobbt wirst, wird sie einige Probleme an deiner Sprache festmachen. Das kann auch sein, lässt sich aber sicher nicht so einfach ändern, in dem man versucht seine Sprache zu verändern, ich glaube dadurch wirkt man weitaus unautentischer.

    Wenn Du mal so richtig wütend bist, wie bringst Du das zum Ausdruck? benutzt Du auch mal harte Schmähwörter? ich persönlich finde eine Mischung dieser Ausdrucksweise am witzigsten, in etwa so wie damals 84 Joschka Fischer im Bundestag von sich gab.. "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch"
    Würdest Du dich das trauen?

    Ich muss sagen, ich war früher auf einer Privatschule, da haben viele so geredet.. viele Kinder aus reichem Elternhaus oder akademischen Eltern und so. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, da müsse jemand seine Sprache ändern, es sei denn, jemand war mit harter Gossensprache unterwegs, das wäre mir unangenehmer gewesen.
    Geändert von Blase (07.06.2018 um 06:29 Uhr)

  10. #8
    Schreibkraft
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    Hallo Rinnsalent,

    Zitat Zitat von Rinnsalent Beitrag anzeigen
    Mir wurde in der Therapie durch die Blume mitgeteilt, dass ich mich ZU intellektuell ausdrücken würde und dabei meine Authentizität verloren geht. Dennoch rechnet sie mir meine sprachlichen Fähigkeiten hoch an. Es stimmt zwar, dass ich gerne mal das ein oder andere Fremdwort hernehme (meist ziemlich geläufige Fremdwörter) und meiner Ausdrucksweise ganz bewusst eine gewisse Qualität verleihen möchte, aber warum hält sie das für unauthentisch?

    ....
    Wäre dankbar um eine Meinung
    je mehr Fremdwörter du in einen Text steckst oder in einem Gespräch verwendest, desto weniger Leute verstehen dich gleich auf Anhieb richtig. Irgendwann wird es auch für gebildete Leute einfach mühsam aufmerksam zuzuhören, wenn sie ständig mit irgendwelchen Fremdworten beworfen werden. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich persönlich dann auch irgendwann abschalte, wenn ich nicht auf die Informationen des anderen angewiesen bin.

    Am Arbeitsplatz sage ich dann solchen Leuten auch irgendwann ziemlich direkt, dass sie einfach, klar und unmissverständlich sagen sollen, wass sie von mir haben wollen oder dass ich das mache, was ich meine verstanden zu haben.

    Eine gehobene Ausdrucksweise kann auch (ob gewollt oder nicht) eine Distanz schaffen und den anderen denken lassen, was man doch für ein eingebildeter, hochnäsiger Schnösel ist.

    Zum Thema Verwundbarkeit zulassen: Der Film "Nackt" stellt die Frage, wann jemand wirklich nackt ist. Ist man "nackt" wenn man "nur unbekleidet" ist oder ist man erst dann "nackt" wenn jemand anderes alles von einem weiß, das heißt, wenn jede Maske abgelegt und jede Lüge aufgedeckt ist?

    Gruß
    Simon
    Ich bin kein Arzt, Therapeut oder Rechtsanwalt. Meine Postings entsprechen meiner (momentanen) Meinung zu einem Thema und können auch falsch sein. Wenn jemand etwas aus meinen Postings umsetzt / umsetzen möchte, dann ist er / sie für die Folgen selbst verantwortlich und sollte dies nur nach vorherigem Nachdenken tun.

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