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Thema: Zwang

  1. #1
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    Standard Zwang

    Ich habe schon sehr lange Zwänge ( Wasch- Gedanken- Kontrollzwang...). Ich schreibe hier einfach, nicht um jemanden Belehren zu wollen. Noch um kluges oder richtiges von mir zu geben. Es sind einfach meine Gedanken zu diesem Thema.

    Im Grunde ist es egal, ob jemand Depressionen, Zwänge eine Angststörung ... hat. Reden und schreiben kann man mit jedem. Das Problem bei Zwang ist, das die Betroffen sich meistens nicht trauen darüber zu reden, weil es Irrational ist. Deshalb kommen meistens Sätze wie... Wenn du doch weißt das es falsch ist, warum machst du es ? Den Zwang kann nur derjenige oder diejenige verstehen der selbst davon Betroffen ist. Ihr dürft mir glauben, das egal wen auch immer auf der Welt trefft und der einen Zwang hat die selben Probleme hat und vieles kennt. " Normale Menschen " können zwar vieles Respektieren , verstehen werden sie das Verhalten jedoch nicht.

    Redet oder schreibt man jedoch über Gefühle, werden alle es verstehen. Doch diese Gefühle werden meistens von dem Zwang unterdrückt, weil man es nicht gelernt hat, für sich zu sorgen, Angst hat diese zuzulassen. Große Gefühle sind Wut, Verlustangst usw... Alles Gefühle, die dafür sorgen, das man Rituale macht damit es allen gut geht oder Zwänge ausübt, damit man diese Gefühle verdrängt. Wenn man für sich sorgen will, hat man Angst , die andere Person will nichts mehr von einem wissen, macht man nicht das Ritual, passiert irgendetwas schlimmes usw. Alles Dinge nur um nicht um nicht diese Zwänge aufzugeben.

    Es ist ist schwer, Selbstwert zu bekommen, wenn man sich selber nichts wert ist. Aber um dieses zu erlangen, muss man lernen, seine Meinung sagen zu dürfen, Menschen die Grenzen immer wieder überschreiten, auf Abstand halten oder sie einfach darauf hinweisen das das was auch immer es ist nicht gut für einen ist.

    Man kann in Therapien durch Rollenspielen lernen darüber zu reden wie es bei anderen ankommt und auch Dinge mal aussprechen. Doch meistens scheitert es nach der Therapie daran, dass das Umfeld nicht mitzieht, weil man sich immer noch nicht traut mit den Betroffenen darüber zu reden, bei mir war es so, da ich immer alles durch den Zwang abgearbeitet habe und man es überhaupt nicht kannte, das ich eine Meinung hatte, wurde ich als unbeliebt abgestempelt. Die meisten Zwängler sind sehr gute Beobachter, weil sie überall die Augen haben.

    Ich merke gerade, das ich gerade viel Geschrieben habe. Versucht irgendwie herauszufinden was ihr gerade für ein Gefühl verdrängen wollt oder müsst, wenn ihr eine Zwangshandlung ausüben müsst und versucht euch über dieses Gefühl klar zu werden. Wenn ihr das Gefühl Aufbröseln, aufarbeiten und dann benennen könnt, könnt ihr den Zwang in den Griff bekommen. Auch ein wenig Selbstironie ist gut. Da wir zu wenig Serotonin haben, ist es gut dabei Unterstützung zu bekommen.

    Zu meiner Zeit, wo die Zwänge angefangen haben, war man weit davon entfernt dieses als Krankheit anzuerkennen noch zu erkennen. Geschweige denn darüber zu reden, wo man selber weiß das es irrational ist. Es ist heute bei vielen Krankheiten immer noch ein Tabuthema, geschweige denn das Männer überhaupt zu ihren Schwächen gestanden haben.

    Ich hoffe, ich habe euch nicht verwirrt.
    Gebt alles, bleibt euch treu und versucht euch wichtig zu nehmen. Ihr seid es.

  2. #2
    Neuling
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    Es ist schwer zu akzeptieren, das man Zwänge hat, aber sie gehören zu einem dazu. In meinem Fall sind sie chronisch und ich werde sie nie ganz weg bekommen. Ich habe gelernt sie als "Warnsignal" zu nehmen. Wie etwa viele Bauchschmerzen bekommen, wenn sie in eine Situation kommen, die ihnen nicht wohl ist. In dem Moment wenn sie zunehmen, habe ich an irgendeiner Stelle nicht genügend für mich gesorgt. Viele suchen hier die Möglichkeit ohne das sie etwas dafür tun müssen aus dieser Zwangslage rauszukommen. Einfach nur Medikamente nehmen wird nicht reichen. Diese dienen nur zur Unterstützung. Meiner Meinung nach bekommt man es damit nicht in den Griff. Wenn man es mit sich allein ausmacht auch nicht. Man dreht sich nur im Kreis und kaum hat man einen Zwang besiegt kommt ein anderer. Man kann den Zwang als Chance sehen um sich ins Reine zu kommen. Das man lernt sich und seine Bedürfnisse wichtig zu nehmen, das man so gut ist wie man ist. Und das es in Ordnung ist wie man ist. Schwer wird es , wenn man sich unter Druck setzt und sich auch noch für sich und sein Verhalten schämt.

    Ich würde mich freuen, wenn ihr einfach mal eure Erfahrungen schreibt und wir irgendwie in Kontakt kommen. Sonst führe ich hier Selbstgespräche.
    Also passt gut auf euch auf. Wünsche euch eine tolle Zeit.
    Bis denne

  3. #3
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    Zitat Zitat von Zwängler80 Beitrag anzeigen
    Ich habe schon sehr lange Zwänge ( Wasch- Gedanken- Kontrollzwang...). Ich schreibe hier einfach, nicht um jemanden Belehren zu wollen. Noch um kluges oder richtiges von mir zu geben. Es sind einfach meine Gedanken zu diesem Thema.
    Hallo Zwängler80,
    finde es sehr interessant, was Du über Zwänge schreibst. Und mich beschäftigt auch gerade, ob ich nicht neben der Sucht und Depression auch Zwänge - Zwangsgedanken - habe, die sich wie Sucht anfühlen, aber eben nicht für sich angenehm sind, was ja wohl ein Ausschlusskriterium für Zwänge gilt.
    Im Grunde ist es egal, ob jemand Depressionen, Zwänge eine Angststörung ... hat. Reden und schreiben kann man mit jedem. Das Problem bei Zwang ist, das die Betroffen sich meistens nicht trauen darüber zu reden, weil es Irrational ist. Deshalb kommen meistens Sätze wie... Wenn du doch weißt das es falsch ist, warum machst du es ? Den Zwang kann nur derjenige oder diejenige verstehen der selbst davon Betroffen ist. Ihr dürft mir glauben, das egal wen auch immer auf der Welt trefft und der einen Zwang hat die selben Probleme hat und vieles kennt. " Normale Menschen " können zwar vieles Respektieren , verstehen werden sie das Verhalten jedoch nicht.
    Wenn man süchtig ist, weiß man ja auch, dass es falsch ist und man damit alles Mögliche unterdrückt. Bin grade ziemlich aufgewühlt und versuche, möglichst schnell wieder in "ruhiges Fahrwasser" zu kommen. Und weil ich es mit Musik versuche, die ja auch schön ist, könnte daraus Sucht werden. Andrerseits, wenn ich Angst davor habe, dass sich jemand selbst verletzt, weil ich was verletzendes gesagt/getan habe und auf den zugehe, obwohl ich vielleicht gar nicht gerade mit dem zusammen sein will, dann ist es Ritual, mit dem Ergebnis, dass ich dann nicht für mich selbst gut sorge. Könnte man das so abgrenzen?
    Redet oder schreibt man jedoch über Gefühle, werden alle es verstehen. Doch diese Gefühle werden meistens von dem Zwang unterdrückt, weil man es nicht gelernt hat, für sich zu sorgen, Angst hat diese zuzulassen. Große Gefühle sind Wut, Verlustangst usw... Alles Gefühle, die dafür sorgen, das man Rituale macht damit es allen gut geht oder Zwänge ausübt, damit man diese Gefühle verdrängt. Wenn man für sich sorgen will, hat man Angst , die andere Person will nichts mehr von einem wissen, macht man nicht das Ritual, passiert irgendetwas schlimmes usw. Alles Dinge nur um nicht um nicht diese Zwänge aufzugeben.

    Es ist ist schwer, Selbstwert zu bekommen, wenn man sich selber nichts wert ist. Aber um dieses zu erlangen, muss man lernen, seine Meinung sagen zu dürfen, Menschen die Grenzen immer wieder überschreiten, auf Abstand halten oder sie einfach darauf hinweisen das das was auch immer es ist nicht gut für einen ist.
    Fühlt man sich dann selber wertlos und kann dann ohne Ritual oder Zwang sich schlecht abgrenzen? Also nur durch das Ritual sich wertvoll genug fühlt? Das wäre dann entgegengesetzt in einer Depression, wo ich mich dann viel stärker abgrenzen will, wenn es mir schlecht geht, mehr als gefühlsmäßig in einer Wohlfühlphase.
    Man kann in Therapien durch Rollenspielen lernen darüber zu reden wie es bei anderen ankommt und auch Dinge mal aussprechen. Doch meistens scheitert es nach der Therapie daran, dass das Umfeld nicht mitzieht, weil man sich immer noch nicht traut mit den Betroffenen darüber zu reden, bei mir war es so, da ich immer alles durch den Zwang abgearbeitet habe und man es überhaupt nicht kannte, das ich eine Meinung hatte, wurde ich als unbeliebt abgestempelt. Die meisten Zwängler sind sehr gute Beobachter, weil sie überall die Augen haben.
    Gut beobachten können ist auch bei PTBS zu finden oder Ängsten, damit man gewappnet ist, dass nicht nochmal was passiert
    Ich merke gerade, das ich gerade viel Geschrieben habe. Versucht irgendwie herauszufinden was ihr gerade für ein Gefühl verdrängen wollt oder müsst, wenn ihr eine Zwangshandlung ausüben müsst und versucht euch über dieses Gefühl klar zu werden. Wenn ihr das Gefühl Aufbröseln, aufarbeiten und dann benennen könnt, könnt ihr den Zwang in den Griff bekommen. Auch ein wenig Selbstironie ist gut. Da wir zu wenig Serotonin haben, ist es gut dabei Unterstützung zu bekommen.

    Zu meiner Zeit, wo die Zwänge angefangen haben, war man weit davon entfernt dieses als Krankheit anzuerkennen noch zu erkennen. Geschweige denn darüber zu reden, wo man selber weiß das es irrational ist. Es ist heute bei vielen Krankheiten immer noch ein Tabuthema, geschweige denn das Männer überhaupt zu ihren Schwächen gestanden haben.
    Ist nicht jede psychische Erkrankung irrational, von Menschen, die keine haben, schwer nachzuvollziehen und meistens innerlich ablaufend? Ist das Deine Erfahrung, dass Männer eher weniger zu ihren Schwächen stehen? Das könnte ja dann auch am männlichen Rollenbild/Sozialisation liegen. Was ich sehr schade fände

    Ich hoffe, ich habe euch nicht verwirrt.
    Gebt alles, bleibt euch treu und versucht euch wichtig zu nehmen. Ihr seid es.
    Danke und zum nächsten Beitrag: das Schämen ist wohl auch bei jeder Erkrankung ein das Selbstwertgefühl untergrabendes und sich selbst Spielräume einengendes Gefühl, trotzdem taucht es auf, warum auch immer

    viele Grüsse
    Mona-Lisa
    Man muß mit Allem rechnen, sogar mit dem Schönen!
    Es gibt tausend Gründe, alles beim Alten zu belassen, aber nur einen, etwas zu ändern, Du hältst es einfach nicht mehr aus!

  4. #4
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    Zitat Zitat von Mona-Lisa Beitrag anzeigen
    Hallo Zwängler80,
    finde es sehr interessant, was Du über Zwänge schreibst. Und mich beschäftigt auch gerade, ob ich nicht neben der Sucht und Depression auch Zwänge - Zwangsgedanken - habe, die sich wie Sucht anfühlen, aber eben nicht für sich angenehm sind, was ja wohl ein Ausschlusskriterium für Zwänge gilt.

    Wenn man süchtig ist, weiß man ja auch, dass es falsch ist und man damit alles Mögliche unterdrückt. Bin grade ziemlich aufgewühlt und versuche, möglichst schnell wieder in "ruhiges Fahrwasser" zu kommen. Und weil ich es mit Musik versuche, die ja auch schön ist, könnte daraus Sucht werden. Andrerseits, wenn ich Angst davor habe, dass sich jemand selbst verletzt, weil ich was verletzendes gesagt/getan habe und auf den zugehe, obwohl ich vielleicht gar nicht gerade mit dem zusammen sein will, dann ist es Ritual, mit dem Ergebnis, dass ich dann nicht für mich selbst gut sorge. Könnte man das so abgrenzen?

    Fühlt man sich dann selber wertlos und kann dann ohne Ritual oder Zwang sich schlecht abgrenzen? Also nur durch das Ritual sich wertvoll genug fühlt? Das wäre dann entgegengesetzt in einer Depression, wo ich mich dann viel stärker abgrenzen will, wenn es mir schlecht geht, mehr als gefühlsmäßig in einer Wohlfühlphase.
    Gut beobachten können ist auch bei PTBS zu finden oder Ängsten, damit man gewappnet ist, dass nicht nochmal was passiert

    Ist nicht jede psychische Erkrankung irrational, von Menschen, die keine haben, schwer nachzuvollziehen und meistens innerlich ablaufend? Ist das Deine Erfahrung, dass Männer eher weniger zu ihren Schwächen stehen? Das könnte ja dann auch am männlichen Rollenbild/Sozialisation liegen. Was ich sehr schade fände


    Danke und zum nächsten Beitrag: das Schämen ist wohl auch bei jeder Erkrankung ein das Selbstwertgefühl untergrabendes und sich selbst Spielräume einengendes Gefühl, trotzdem taucht es auf, warum auch immer

    viele Grüsse
    Mona-Lisa
    Zwangsstoerungen haben meines Erachtens nach eher einen wahnhaften Charakter, es liegt teils auch ein magisches Denken vor, speziell im Hinblick auf die Rituale - wenn ich nicht täglich dreimal hintereinander jenen Spruch aufsage, wird einem nahestehenden Menschen etwas zustoßen - als Beispiel. Mit wertlos fühlen oder sich nicht abgrenzen können hat das erstmal nichts zu tun, würde ich sagen.

    Eine Abhängigkeit ist ja in dem Sinne nicht irrational, die Einnahme einer Substanz oder eine Aktivität dient ja der Stimmungsregulierung, die Intention ist also eher konstruktiver Natur; die Folgen können nur eben destruktiv sein.

    Wobei in diesem Bereich Komorbiditaeten vorliegen sollen, etwa zwischen Zwangsverhalten, Depression und Abhängigkeit.
    Das Angenehme dieser Welt hab ich genossen,
    Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,
    April und Mai und Julius sind ferne
    Ich bin nichts mehr; ich lebe nicht mehr gerne!
    (Friedrich Hölderlin)

  5. #5
    Neuling
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    Hallo Mona-Lisa,
    meistens ist es nicht nur eine psychische Störung. Ich habe oft Depressionen, wenn mein Zwang zu viel wird und ich niemanden zum Reden, habe was oft der Fall ist. Man muss sich öfters selbst Belohnen und Reflektieren was man geschafft hat und sich nicht mit der Normalität vergleichen. Sonst wird das nichts mit dem Selbstwertgefühl. Viel benutzen den Zwang um sich abzugrenzen anstatt zu sagen, was Sache ist. Ich denke nicht das du Worte wählst, die andere verletzen. Wenn du Zeit für dich brauchst und das der anderen Person mitteilst, ist das dann sein Problem, wenn er damit nicht klar kommt. Wie willst du sonst aus deiner Lage rauskommen, wenn du immer abwägst, wie der andere darauf reagiert. Das Ritual ist mit Angst verbunden und somit ein Faktor, um nicht davon abzulassen. Je mehr Angst man hat, desto stärker sind die Rituale. Es ist eine vermeintlich Sicherheit, die es nicht gibt.


    Mit Suchterkrankung kenne ich mich was die Therapie angeht nicht aus. Ich denke aber schon, das du sehr viel mit dir selbst ausmachst und genau abwägst, was du wann, zu wem sagst und ob du es überhaupt sagen darfst.

    Ich denke aber schon, wenn man in der "Ich-Form " Sätze sagt wie z.b.: "Du, das mag ich nicht, das verletzt mich, ich habe Angst..., oder was weiß ich was, das der Andere das versteht. Wenn ich jemandem sage, ich kann das Haus nicht verlassen, weil ich Sicherheit brauche, ob alles ausgeschaltet ist , wird der dumm schauen. Was dann wieder das Gefühl verstärkt, keiner versteht mich, ich bin nicht wichtig genug usw..

    Ich hoffe ich habe nicht das Thema verfehlt. lacht
    Ist gar nicht so einfach zu schreiben.

    Ansonsten stimme ich Draugr zu.
    Geändert von Zwängler80 (13.01.2019 um 03:14 Uhr)

  6. #6
    Verleger Avatar von Draugr
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    Ja sicher, eine seelische/ psychische Erkrankung führt generell oftmals zu Scham und somit zu sozialem Rückzug, das waeren dann mittelbare Auswirkungen.

    Bei Zwangsverhalten entsteht mitunter ja auch das Problem, dass sich die Handlungen/ Rituale so ausdehnen, so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass die Betroffenen gar nicht mehr am Alltag teilnehmen können.
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  7. #7
    Neuling
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    Mit Scham meine ich auch, das man sich nicht nur schämt, eine psychische Erkrankung zu haben, sondern auch über bestimmte Themen zu reden. Themen wie z.b.: ständiges Händewaschen, langes Duschen, bis teilweise ein Duschbehälter pro Duschen aufgebraucht ist und man das Gefühl hat, danach immer noch nicht sauber zu sein, nicht auf öffentliche Toiletten zu gehen und damit Getränke wie Kaffee, Bier oder überhaupt Getränke meidet, nur um nicht auf eine Toilette gehen zu müssen. Es gibt da viele Dinge die ich aufzählen könnte. Alles Dinge die dazu dienen, nicht in Kontakt zu kommen oder Menschen näher an sich ranzulassen. Dinge die für einem selbst schon irrational sind, wie soll man das jemandem anderem erklären. Wenn man z.b. mit jemandem geschlafen hat und dann mal "kurz" duschen geht aber dann eine Stunde weg ist. Um überhaupt so weit zu kommen, bedarf es schon eine menge Therapie. (Muss gerade über mich selber lachen, wenn ich das schreibe.) Aber so war es und ist es vielleicht noch. Ich weiß es nicht, weil ich schon sehr lange keine Beziehung mehr hatte. Die Frauen haben es aber trotzdem mitgemacht, da es doch noch Seiten an mir gab, die dieses Verhalten überwogen.

    Was das angeht, habe ich kein Tabu-Thema mehr, weil ich für mich entschieden habe, das ich über alles reden kann und das einzige, was ich verlieren würde, mein Zwang ist, nicht meine Achtung vor mir, weil ich mich auf den Weg gemacht habe, mich und meine Bedürfnisse wichtig zu nehmen. Da ich mir Jahrzehntelang ein Verhalten antrainiert habe, war es mir fremd geworden wie man mit vielen Dingen normal umgeht.

    Heute kann und will ich nicht mehr in den Zwang zurück. Ganz weg wird er nicht gehen aber ich will ihm nicht mehr die Macht geben, das er die Entscheidung übernimmt, was ich mache. Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, wie lange ich gebraucht habe, da angekommen zu sein, wo ich jetzt bin. Mittlerweile bin ich schon sehr lange in Rente. Das heißt ich muss mich von morgens bis abends selber beschäftigen. Da man mir nicht ansieht, welche Probleme ich habe, entsteht bei vielen der Eindruck, ich wäre ein Simulant oder auch Sätze sind schon gekommen wie, "wieviel Therapien willst du noch machen", "weißt du eigentlich wie viel Geld du schon der Krankenkasse gekostet hast"?. Tauschen will jedoch niemand mit mir, den meisten fällt schon nach ein paar Tagen die Decke auf den Kopf und sie wollen oder können sich nicht mit sich beschäftigen.Da mein Alter noch nicht dem normalen Rentenalter entspricht ist es auch schwer eine Beziehung anzufangen. Meist kommt in der heutigen Zeit im ersten Kontakt, die Frage nach dem Beruflichen. Wenn man die Wahrheit sagt, fällt man durch das Raster "mit dem stimmt was nicht" oder "der kann ja nicht genug Rente beziehen", dann muss ich mich einschränken. Das lohnt sich nicht.

    Nun muss ich mit den Gefühlen klar kommen, die hinter dem Zwang standen, was nicht so einfach ist, wenn man nicht so viele Menschen zum Reden hat. Reden ist das allerwichtigste. Rückmeldungen zu bekommen, Erfahrungen zu sammeln, festzustellen, das man nicht allein ist usw.. Klar ist, wenn schwierige Themen aufkommen, das der Zwang versucht, wieder die Oberhand zu bekommen, aber ich hoffe, das er nie mehr gewinnt.
    Geändert von Zwängler80 (13.01.2019 um 14:45 Uhr)

  8. #8
    Neuling
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    Eine Kurzzeit Entgiftung in der Suchtabteilung/Psychiatrie 14 Tage kostet die Krankenkasse 4500eu.
    Fenster 3fach verglast schlagfest.Stand (2010).

    muster

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